Seit meinem siebten Lebensjahr ist mir meine „Zugin“ ein treuer Begleiter und hat mir und auch so manchem Freund und Kollegen viel Freude und gesellige Stunden bereitet. Ich möchte Euch mein Istrument mal etwas genauer vorstellen.

Meine Ziach der Marke "Öllerer" aus Nussholz

Während in Deutschland vor allem das „gleichtönige“ Akkordeon (das heißt auf Druck und Zug ertönt pro Taste oder Knopf der selbe Ton) bekannt und beliebt ist, findet in Österreich und vor allem im Salzburger Land seit jeher die „wechseltönige“ diatonische Ziehharmonika, „Steirische“, „Zugin“, „Ziach“ oder auch „Faltenradio“ genannt, den größten Anklang. Sie besteht aus einer Diskantseite (hier wird die Melodie gespielt) mit etwa 40 bis 50 Knöpfen auf 3 bis 4 Reihen und einer Bassseite (Begleitung) mit 10 bis 20 Knöpfen auf zwei Reihen. Beide Teile bestehen aus einem hölzernen Korpus, in den Stimmstöcke eingebaut sind. Dazwischen befindet sich ein Luftbalg aus Papier und Leder. Durch das Zusammendrücken und  Auseinanderziehen der beiden Seiten strömt Luft durch die Stimmstöcke in bzw. aus dem Balg und bringt dabei Metallzungen zum schwingen.

Diskantseite mit Hebelsystem zu den Stimmklappen

Durch das Drücken eines Knopfes öffnet sich über ein Hebelsystem eine Klappe und die gewünschte Stimmzunge beginnt zu schwingen. Eine Tastenreihe entspricht immer einer bestimmten Dur. Auf meiner vierreihigen Zugin kann ich beispielsweise in der B-, ES-, AS- und DES-Dur musizieren. Da die Anordnung der Tasten keinem Notensystem entspricht, wird meistens nach „Gehör“, durch auswendig lernen der Griffe oder nach einem Griffschriftsystem gespielt. Wer lange genug übt und über ein gutes Gehör sowie die nötige Musikalität und Leidenschaft verfügt wird im Laufe der Jahre „eins“ mit seinem Instrument und kann sie wie seine eigene Stimme verwenden ohne lange über Griffe und Tastenkombinationen nachdenken zu müssen.

Zumeist werden auf der Ziehharmonika Stücke aus der traditionellen Volksmusik wie Polkas, Landler, Märsche und Boarische gespielt. Das Einzigartige an diesem Instrument ist, dass man sowohl alleine, zu zweit, mit einem Begleitinstrument (Gitarre, Harfe, Hackbrett, Bass …) oder auch in einer Tanzlmusikbesetzung (z.Bsp. zwei Flügelhörner, Klarinette, Posaune und Bass) musizieren kann.

“Hans+I” Zweigesang mit Harmonikabegleitung beim Salzburger Abend

Am besten ist es, ihr überzeugt Euch selbst einmal vom herzlichen und wohltuenden Klang der Ziehharmonika bei einem Auftritt des Heimatvereines Kleinarl, der Bergrettungs Tanzlmusik oder in einer geselligen Runde irgendwo in Kleinarl. Man sieht – oder besser gesagt hört sich.

1 Kommentar zu „Die Ziehharmonika – ein typisches Instrument im Salzburger Land!“

  • Hallo Tanja!
    Natürlich wird auch in Österreich Akkordeon gespielt ;-) Im östlichen Teil (Wien und Umgebung) sogar sehr viel auch in der Volksmusik (Schrammeln und so). Auch in der so beliebten Oberkrainermusik wird fast ausschließlich mit dem Akkordeon begleitet (mancher kennt das legendäre “Sagada-Sagada-Sagada”). Du bist also in bester Gesellschaft.
    Auf der Bassseite gibt es nur die jeweiligen Begleitbässe zur Diskantseite. Auf der ersten Bassleiste also jeweils der Grundbass und ein Begleitbass. Beim wechseln von Druck auf Zug bekommt man mit den gleichen Knöpfen statt der ersten- die fünfte Stufe. Es handelt sich also um ein ganz einfaches System, welches für die bei uns bodenständige Volksmusik aber bestens geeignet ist. Auf der zweiten Bassreihe gibt es einige Moll- und Übergansbässe, das ist aber von Instrument zu Instrument verschieden.
    Grüße, Rupert

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